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Schloss mit Untermieter
Ernst- Felix-Rutsch zieht nach Kampehl um
Schloss Kampehl hat nicht nur einen neuen Eigentümer, sondern auch einen Untermieter. Es ist Ernst-Felix rutsch, der zuvor neun Jahre lang in der ehemaligen Papierfabrik Hohenofen ein Museum einrichten wollte.

Treppe rauf in den Keller
Ernst-Felix Rutsch wird demnächst Nachbar von Ritter Kahlbutz
WOLFGANG HÖRMANN
KAMPEHL  „Zwei Federn sind abgerissen, ansonsten ist das Ding tipptopp." „Und was ist das Ding?"

Die alten Setzkästen sind eine Neuanschaffung. In den Kellergewölben von Schloss Kampehl darf Ernst-Felix Rutsch sie ausstellen und auch sonst schalten und walten. Der 63-Jährige muss die ehemalige Papierfabrik Hohenofen zum 31.Oktober 2003 verlassen

„Ein Bostontiegel, Teil einer alten Druckerei." Die Antwort klingt so selbstverständlich, als hätte der von Neugier geplagte Frager nach der Uhrzeit gefragt und sie gerade genannt bekommen.
Das Musterstück einer alten Druckerei steht also auf offener Ladeklappe eines grünen Transporters und lässt sich begaffen. Das Auto wiederum parkt vor dem Portal von Schloss Kampehl.
Der Schlossherr ist nicht da. Aber sein Untermieter: Ernst-Felix Rutsch. Der Sammler alles Alten richtet sich neu ein. Die ehemalige Patent-Papierfabrik Hohenofen, in der er am 31. dieses Monats exakt 3257 Tage in einem Wohnwagen campiert haben wird, ist Geschichte. Neun Winter waren hier „rutschig". Vom Caravan aus war der selbsternannte Museumsdirektor die für einen Einzelnen nicht zu stemmende Aufgabe angegangen, das Übriggebliebene zwischen Filterteichen, Bundesstraße 102 und Bahnlinie zu erhalten.
„Für mich endet ein prägender Lebensabschnitt. Ich ziehe auf Wunsch aus der Patent-Papierfabrik aus. Andere buchen einen Abenteuerurlaub im Reisebüro, ich hatte bei der Treuhand einen Abenteuerurlaub in der alten Papierfabrik gebucht." Der O-Ton des 63-Jährigen klingt bitter.
Die meisten seiner Wünsche dürften sich nicht erfüllt haben.
Achtung, die man der ungebrochenen Sammelleidenschaft entgegenbrachte - der Landkreis Ostprignitz-Ruppin verlieh ihm einen Kulturpreis - war oft nur oberflächlich. Dabei hat Rutsch selber auch am Ast gesägt, auf dem er saß. Alles zu erhalten, immer neues Altes heranzuschaffen, öffnete einer Verzettelung zwangsweise das Tor.
Der Blick zurück ist allerdings bei weitem nicht nur ein Blick im Zorn. „Ich möchte die Zeit nicht missen, denn ich habe die Menschen in den neuen Bundesländern kennen und schätzen gelernt und Freunde gewonnen. Eines meiner Ziele ist erreicht. Die Technik und ein Teil der Gebäude'' der alten Patent-Papierfabrik sind unter Denkmalschutz .gestellt und damit hoffentlich vor dem Untergang bewahrt", so das Resümee des früheren Kielers.
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Blick ins DDR-Museum im Kampehler Schloss

 
Es sieht so aus, als falle er die Treppe rauf. Die künftige Adresse lautet ab dem 1. November 2003 Schloss Kampehl.
Reinhard Kort, neuer Besitzer des Hauses, überlässt Rutsch für die nächsten zwei Jahre die komplette Kellerregion für seine Expositionen und auf dem Gelände eine Wohnung. „Wenn ich dann selber Verwendung für den Keller habe, werden sich in Kampehl andere Räume finden, sorgt Reinhard Kort für gute Aussichten.
Im bevorstehenden Winter will Ernst-Felix Rutsch alles vorbereiten, um ab Frühjahr 2004 „Erlebnis-Ausstellungen" anzubieten. Ritter Kahlbutz ist künftig sein Nachbar. Bei dem stehen die Leute Schlange, um einen Blick auf - die Lederhaut zu erhaschen. Von diesem Andrang erhofft sich der Neu-Kampehler, etwas abzubekommen. Was es zu sehen gibt, will er noch nicht verraten. Old- Drucktechnik wird dabei sein. Der Bostontiegel ist ja schon angekommen.
Quelle: Märkische Allgemeine,  Kyritzer Tageblatt vom 11/12. Oktober 2003

Schild-Bürgerstreich  vom 20.01.2007
Von Petra Waschescio
WULKOW / KAMPEHL Ernst Felix Rutsch sammelt - Fehltritte von Verwaltungen, Zeitungsartikel und Überbleibsel des DDR-Alltags. Zurzeit sammelt er Erfahrungen: Der Inhaber des Kampehler DDR-Museums sitzt seit gestern in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wulkow ein. Mehr oder weniger freiwillig.
9.30 Uhr, vor dem Tor der JVA Wulkow, strahlender Sonnenschein, die Temperaturen lassen auf Winter hoffen. Ernst Felix Rutsch bereitet sich auf 30 Tage Gefängnisaufenthalt vor. Der Wusterhausener Manfred Teske, der ihn, von Kampehl hergefahren hat, filmt. Er scherzt: „Ich war auch im Knast zu DDR-Zeiten, nur weil ich mich geweigert habe, freiwillig die Mauer mitzubauen. Da kann er auch ruhig rein."
Rutsch lacht. „Ich bin Exzentriker. Ich wollte mich prüfen. Ich bin auch schon Bungee gesprungen. Ich wollt' mal sehen, wie so was ausgehen kann." So was, das war eine Strafanzeige der Deutschen Bahn, Station und Service - Wittenberge gegen den Sammler. Der hatte am 1. Juni 2006 vom Bahnhofsgebäude der ehemaligen Güterabfertigung in Kyritz ein Schild abmontiert fürs Museum im Kampehler Schloss. Aufschrift „Annahme und Ausgabe Reisegepäck, Expressgut, Aufbewahrung, Fahrräder und Gepäck".
Von Stehlen könne keine Rede sein, meint Rutsch. „Ich bin doch nicht kriminell." Er habe immer so gesammelt. „Vielleicht warst du schon immer kriminell", ruft Teske dazwischen. Rutsch schmunzelt, erzählt aber unbeirrt weiter. Den Diebstahl will er nicht auf sich sitzen lassen. Oft genug sei die Polizei dazu gekommen, wenn er Trophäen für sein Museum gefunden und abtransportiert habe. Nach ein paar Erklärungen, wofür er die ausgedienten Dinge brauche, seien die Beamten auch wieder abgezogen. Aber nie sei er anzeigt worden.
Rutsch blättert in einem 49 Seiten starken Ordner mit Kopien und Zeitungsartikeln, den er noch in der Nacht zusammengestellt hat. „Da, sehen Sie. Der Umweltwirtschaftspreis 2000. Der Landrat hat unterschrieben, und hier Zeitungsartikel übers Museum." Allesamt Papier gewordene Anerkennungen für
er dafür bestraft werden. Unverständlich für Rutsch.
Und gerade bei dem Bahn-Schild fühlte er sich lange auf der ganz sicheren Seite. Ein Mitarbeiter der Bahn habe ihm 2005 eine Uhr vom Neustädter Bahnhof ins Museum gebracht mit dem Hinweis, auch zwei Schilder vom Kyritzer Güterbahnhof, für die er sich interessierte hatte, könne der Sammler nun abholen. „Ich habe mir leider den Namen nicht geben lassen", sagt Rutsch. Die Verantwortlichen von DB Station und Service wussten jedenfalls von diesem angebot am 1.Juni 2006 nichts. Sie sahen die bahn bestohlen.
Das Ende der Aktion: Das Amtsgericht Neuruppin folgte der Darstellung von DB Station und Service und erließ gegen den Museumsbetreiber am 5. September, einen Strafbefehl. Darin wird dieser zu 750 EURO Plus 64,86 EURO Nebenkosten verurteilt, zahlbar in 30 Tagessätzen zu je 25; Euro, oder   wahlweise  zu 30 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe. Der Vorwurf: Diebstahl und Unterschlagung  geringwertiger Sachen. 80 Euro soll das Schild wert gewesen sein.
Für Rutsch ist der Strafbefehl nicht nachvollziehbar. Ein klassischer Mücke- wird-Elefant- Fall.

Kurz vor dem Antritt seiner Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Wulkow: Ernst-Felix Rutsch (links) mit Manfred Teske

 „80 Euro. Wahrscheinlich hat das Schild in der DDR neu weniger gekostet. Meine Ersatzfreiheitsstrafe kostet den Staat jetzt täglich 90 Euro. Das sind 5 400 Euro." Vielleicht muss der Gefängniseinzug auch deshalb inszeniert werden. Vielleicht aber auch um abzulenken. Denn hinter der Fassade rumort bei dem 66-jährigen Exzentriker auch ein mulmiges Gefühl. „Ich hatte schon Margenschmerzen heute morgen." Der Satz kommt leiser und schneller rüber als die Scherze, die zwischen ihm und Teske wechseln. So als sollte er gar nicht gesagt werden. Denn ganz so freiwillig ist der Gefängnisaufenthalt auch wieder nicht. „Hier. Ich hab' es aufgeschrieben." -Rutsch zeigt auf eine Zahl in seinem Hefter. 563,65 Rente im Monat. Die 30 Tagessätze zu 25 Euro seien dabei nicht drin. Auch die Ratenzahlung, die ihm angeboten wurde, hat Rutsch aus Mangel an Einkünften abgelehnt.
In den Pausen zwischen den Anekdoten ist der Gefängnisaufenthalt das, was er ist: Das unangenehme Ende eines Konflikts mit dem Gesetz. Alle Bekannten hätte ihn gewarnt: Das Etikett „Knacki" hafte ihm jetzt an. „Das ist schon ein Gefühl, was ich noch nie hatte. Vielleicht kann ich ja hiermit auch helfen, Vorurteile abzubauen und vielleicht kann ich ja auch auf die Bedingungen in der JVA aufmerksam machen. Man hört ja viel und weiß aber wenig darüber. "Rutsch denkt nach, sagt dann: „Wenn meine Familie hier leben würde, hätte ich mich vielleicht anders entschieden." Dann hätte er wahrscheinlich doch den Weg genommen, die Strafe mit gemeinnütziger Arbeit abzuleisten. Auch das wäre möglich gewesen. Aber - wie gesagt -ein bisschen Nervenkitzel, die Neugier auf eine ungewöhnliche Erfahrung, waren auch im Spiel. Knast statt Bungee springen. Der Sammler holt seine Sachen aus dem Auto, auf dem Weg zum Gefängnistor dreht er sich noch einmal um. Er lacht und winkt.
Quelle. Märkische Zeitung, Ruppiner Anzeiger vom 16.01.2007
Foto: Waschescio

 

Strafe abgesessen
30 Tage saß Ernst Felix Rutsch in der Justizvollzugsanstalt Wulkow ein. Er konnte die Geldstrafe nicht bezahlen, die er für ein unerlaubt abmontiertes altes Bahnschild zahlen sollte. Seit gestern ist er wieder auf freiem Fuß, und die Zeichen ste¬hen gut, dass das Schild bald in seinem DDR-Museum zu sehen sein wird. (Ostprignitz-Ruppin)   

Jäger des verbotenen Schatzes
Kampehl/ Neuruppin: Ersatzhaft für Museumsbetreiber Ernst Felix Rutsch beendet
Von Petra Waschescio
Ernst Felix Rutsch hat es geschafft. Nach 30 Tagen Ersatzfreiheitsstrafe, die der Kampehler Museumsbetreiber für ein unerlaubt abgeschraubtes altes Bahnschild in der Justizvollzugsanstalt abgesessen hat, ist er seit Dienstag wieder auf freiem Fuß.
9 Uhr. Die Koffer sind gepackt. Ernst Felix Rutsch sitzt auf dem Bett in seiner Zelle in der JVA Wulkow. Haftraum ist der korrekte Begriff - man legt in Wulkow Wert darauf, und er passt auch besser. Wäre das Zimmer nicht im Gefängnis, es könnte ebenso gut in einer Jugendherberge sein.
Rutsch plaudert mit dem Wachpersonal. Auf dem Parkplatz wartet das dreiköpfige Empfangskomitee mit Manfred Teske an der Spitze, der Rutsch am 15. Januar nach Wulkow gebracht hatte. Um den Hals gehängt - Schilder.
Auf dem Flur in Haus 10 der JVA sammeln sich indessen die Medienvertreter: Warten auf ein Gespräch mit dem Rentner, der es für ein 80-Euro-Schild nicht nur in den Knast, sondern auch in die Bild-Zeitung geschafft hat.
Oliver Allolio, Leiter der JVA Wulkow, begegnet dem Rummel entspannt. Eine Institution wie eine Justizvollzugsanstalt zeige, „wie es um unseren Rechtsstaat bestellt ist". Weil Gefängnis ohnehin schon einen intensiven Eingriff in die Grund- und Freiheitsrechte eines Menschen bedeute, sollten diese nur dann   weiter   eingeschränkt
werden, wenn es nicht zu vermeiden ist. Jeder Gefangene habe das Recht, sich in den Grenzen, die die Haft ziehe, zu entfalten. Dazu gehöre auch der Kontakt zu den Medien - wenn er frei gewählt und nicht übergestülpt sei.
Keine Gefahr bei Rutsch. Der Medienkontakt ist kalkuliert. Er genießt die Öffentlichkeit in den wenigen verbleibenden Minuten seiner Haft. „Ich hab das erreicht, was ich wollte. Werbung für mein Museum." Jede Menge Fan-Post habe er nach den ersten Berichten in der Zeitung nach Wulkow bekommen. Darunter auch ein Angebot, die Geldstrafe für ihn zu bezahlen und ihn damit aus dem Gefängnis freizukaufen. Er hat abgelehnt. Das hätte die Geschichte kaputt gemacht.
Rutsch wartet auf das erste Interview. Zwei sind angemeldet, bevor er das Gefängnis verlässt. Genug Zeit

Ein drei Mann starkes Empfangskomitee holte Ernst-Felix Rutsch aus der JVA Wulkow ab.

für ein paar Scherze. Was heißt hier schlechtes Leben im Knast? Zwei Kilo hat er zugenommen. „Wer hier unzufrieden ist, der müsste mal ins Altersheim." Rutsch lobt in den höchsten Tönen. Fair und korrekt sei es in Wulkow zugegangen. Er ist hier der „Herr Rutsch".
Was er denn erwartet habe, fragt ihn einer der Wachtmeister. Rutsch überlegt. So genau weiß er das auch nicht. Raue Wände, rauer Ton, Gitter vor den Fenstern - ebenmehr Knast.  Ein Hauch von Enttäuschung schwingt im Gesagten mit. Für den Nervenkitzel, den der Museumsbetreiber erwartet hatte, als er im Januar seine Haft antrat, war der Alltag im offenen Strafvollzug zu normal. Wecken um 6 Uhr, Frühstück um 6.30 Uhr, Mittagessen um 11.30 Uhr, das waren die einzigen Pflichttermine. Zwischen Zelle, Bibliothek, Sportangeboten und Fernsehraum konnte sich Rutsch den Rest der Zeit frei bewegen. Seine Tür hatte von beiden Seiten Klinken. im geschlossenen Vollzug ist das anders.
Die meiste Zeit habe er gelesen, erzählt er. Die Lebensgeschichte von Hannsheinz Porst. Wie gemacht für Rutsch: Weil Porst zu nicht ganz legalen Mitteln griff, um für sein Geschäft zu werben, musste auch der Foto-König Bekanntschaft mit dem Knast machen. Das kennt Rutsch. Er schmunzelt: „Und aus dem ist auch noch was geworden."
Ja, auch nachgedacht habe er. „Ich hab' mich schon gefragt, wie war' das, wenn du ein Jahr drin wärst. Du wirst ja doch angeguckt, wenn du im Knast warst." Arbeit täte vor allem für die jungen Gefangenen Not, damit sie nicht nur vor Videospielen und am Fernseher abhingen. „Ein Euro-Jobber nehmen hier die Arbeit weg."
Wenn Rutsch über den Knast redet, sind es meist die anderen, die ihn beschäftigen. Seine eigene. Seine Rolle bleibt seltsam unreflektiert.
Auch, nach 30 Tagen Haft scheint der Gefängnisaufenthalt noch immer eher Abenteuer als angemessene Strafe für einen Diebstahl. „Ich habe viel so fürs Museum gesammelt. Hab' immer abends abgebaut. Wenn mich einer gesehen hat, konnte ich immer einhaken und das erklären", erläuterte er noch einmal seine Vorgehensweise. Diebstahl war das Abmontieren des alten, nicht mehr gebrauchten Bahnschildes für ihn nicht. Die Anklage gegen ihn wirkt auf Rutsch deswegen auch eher als böser Wille des Eigentümers: „Da hat sich wahrscheinlich einer gedacht,  ,jetzt kriegt er mal einen mit'." Die Lehre aus der Ersatzhaft : Er werde vorsichtiger sein und einmal mehr fragen, ob er Trophäen für sein Museum mitnehmen darf. Aber die Jagd nach dem Corpus delicti hat er nicht aufgegeben: „Ich krieg das Schild ja doch."
Quelle: Märkische Zeitung, Ruppiner Anzeiger vom 17/18 02.2007
Fotos: Waschescio
       

Ernst Felix Rutsch in der MDR-Talkshow vom 09.03.2007
Ernst Felix Rutsch (66) aus Neustadt/Dosse
Er saß 30 Tage im Gefängnis, weil er auf dem Kyritzer Bahnhof ein Schild abgeschraubt hatte. Er wollte

Das Objekt der "Begierde" und des Streites

es in dem kleinen DDR-Museum zeigen, das er betreibt. Ein Bahnangestellter hatte ihm erlaubt, dieses Schild mitzunehmen. Doch plötzlich flatterte ihm ein Strafbefehl über 800 Euro ins Haus. Er zahlte dieses Geld nicht und ging dafür lieber in den Knast.
Ernst Felix Rutsch betreibt im Keller von Schloss Kampehl, das sich unweit von Neustadt/Dosse befindet und zu einem Dorfzentrum u.a. mit Konferenzräumen und Kindergarten gestaltet werden soll, ein DDR-Museum. Liebevoll präsentiert er hier Alltagskultur aus der verblichenen Arbeiter- und Bauernrepublik. Zu seinen Exponaten gehören ein selbst gebauter Kinderwagen sowie ein aus einer Trabitür gefertigter Schneeschieber ebenso wie das damals unverzichtbare Einkaufsnetz mit Platz für mindestens 10 Milchflaschen.
Für diese Ausstellung unentbehrlich erschien für Ernst Felix Rutsch das Bahnschild "Annahme u. Ausgabe Reisegepäck, Expressgut, Aufbewahrung Fahrräder und Gepäck", das er auf dem Kyritzer Bahnhof gesehen hatte. Mit der Erlaubnis eines Bahnangestellten schraubte er es ab. "Nur leider habe ich mir den Namen nicht gemerkt", sagt er. Das war blauäugig und verhängnisvoll, denn noch am Abend standen Polizisten vor seiner Tür. Er händigte ihnen das Schild aus und glaubte, die Sache sei erledigt. Doch weit gefehlt. Die Bahn sah sich mit dem Schild um 80 Euro geprellt und das Amtsgericht Neuruppin verurteilte den bis dahin unbescholtenen Sammler zu einer Geldstrafe von über 800 Euro. Die Alternative: 30 Tage Gefängnis.
Ernst Felix Rutsch, der als Rentner eine solche Summe nicht bezahlen will und kann, entschied sich für die 30 Tage Haft. Am 15. Januar dieses Jahres trat er die Strafe an. Nach seiner Entlassung fand er heraus, dass sein Schild bei einem Eisenbahner-Verein in Wittenberge verblieben war. Am 25. Februar konnte er es sich dort abholen. Und nun hängt es doch in seinem kleinen DDR-Museum. 
Quelle: MDR vom 09.03.2007

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